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„Zuerst die Mitarbeiter bewerben“
Frau Lütke Schwienhorst, Ihre Selbstständigkeit hat in Teilzeit begonnen.
Ja, ich war lange Jahre angestellt und hatte in Agenturen den ganzen Bereich der Werbung und PR kennen gelernt, Messen organisiert, Texte geschrieben und Pressekampagnen gemacht. Dann habe ich innerhalb von 18 Monaten 3 Kinder bekommen, zuerst einen Sohn und dann Zwillinge. Mit den dreien musste ich eine Entscheidung treffen. Ich hätte eine halbe Stelle haben können, wusste aber, dann setzte ich mich nur unter Druck.
Als die Zwillinge mit drei Jahren in den Kindergarten kamen, hatte ich alles für die Selbstständigkeit vorbereitet, den Keller renoviert, einen Macintosh angeschafft, die Fachpresse und auch den Markt verfolgt. Nach den drei Jahren mit den Kindern war ich mir sicher, dass ich das auch allein schaffen kann.
Und haben dann klein angefangen.
Natürlich waren es anfangs kleine Projekte. Aber ich habe viel aus den Strukturen mitgenommen, die ich in den Agenturen kennen gelernt habe. Das fing an mit dem Briefbogen, dem Manuskriptpapier (damals gab’s noch kein E-Mail) oder dem Erstellen von Angeboten. Als Gründerin hatte ich zunächst natürlich eine andere Preisstruktur. Ich hatte viel Erfahrung, aber auf der anderen Seite war ich auch neu im Geschäft. Ich habe immer sehr auf die Mitbewerber geschaut und beobachtet, was die zu welchem Preis tun.
Sie konnten sich damals Zeit lassen, weil der materielle Druck nicht so hoch war.
Ja, mein Mann hat verdient und ich konnte mir den Luxus gönnen, mir für den Aufbau Zeit zu nehmen.
Wie wirkt sich so ein behutsamer Einstieg unternehmerisch aus?
Bei einer Teilzeitgründung gibt es in der Regel eine andere Beschäftigung, die die Basics finanziert. Also kann man lockerer sein, muss sich nicht so unter Druck setzen. Dann kann man auch kleine Erfolge genießen und erkennen, dass sie einen weiterbringen. Wenn man entspannter sein kann, kommt einem das persönlich, aber auch den Kunden zugute. Sie sind immer so gut, wie Sie sich fühlen.
Inzwischen arbeiten Sie schwerpunktmäßig im Bereich Handwerk. Machen die Handwerksbetriebe zu wenig Werbung?
Werbung für kleine Betriebe, für Handwerksbetriebe ist grundsätzlich etwas völlig anderes als für große Unternehmen. Ein Handwerksbetrieb mit 10 Leuten braucht keine klassische Werbung, die „werblichen“ Aushängeschilder sind die Mitarbeiter. Diese müssen geschult werden, damit sie genau das tun, was für den Betrieb wichtig ist, nämlich einen guten Eindruck zu hinterlassen. Meine Beratung beginnt oft mit ganz simplen Tipps: kein Kaugummi beim Kunden, Hände waschen, saubere Arbeitskleidung anziehen und saubere Autos präsentieren, Werbemittel und Prospekte einsetzen.
Wenn es nach der Reparatur im Bad aussieht wie vorher, dann haben sie gewonnen. Warum sollte ein Betrieb in drei Monaten 2.500 Euro für Anzeigenwerbung ausgeben? Er muss durch Dienstleistung
und Service überzeugen. Werbung hat bei mir eine breite Definition. Sie hat mit Kommunikation zu tun, mit der Außendarstellung, der Mitarbeitermotivation und -führung. Diesen Bereich möchte ich künftig weiter ausbauen. Dafür sind die Kontakte, die ich zur Handwerkskammer und zu den Innungen pflege, eine gute Basis.
Welche Rolle spielen diese Institutionen in der Öffentlichkeitsarbeit für das Handwerk?
Kooperationen, wie sie über die Innungen und andere Netzwerke möglich sind, bietet den Betrieben eine hervorragende Plattform. So sind gemeinsame Ausstellungen, Messe- und Werbeauftritte möglich, die ein kleines Unternehmen allein nicht realisieren könnte. Kreative Ideen wie zum Beispiel in den Wintermonaten im Freibad eine Badausstellung zu machen, können nur viele gemeinsam umsetzen. Wenn man gut organisiert ist, kommt man weiter und dann gilt, dass das Handwerk goldenen Boden hat.
Aber es gibt auch im Netzwerk eine Konkurrenzsituation.
Betriebe, die wirklich gut sind, wissen schon lange, dass es einen Markt gibt, den man sich teilen muss. Es gibt Tausende von selbstständigen Handwerksbetrieben, die in der öffentlichen Wahrnehmung zu kurz kommen. Für sie ist die gemeinsame Öffentlichkeitsarbeit immer auch Lobbyarbeit.
Für Handwerksbetriebe ist Kooperation also das oberste Gebot?
Ja, das gilt für die Werbung, aber auch für den Umgang mit Lieferanten. Man kann gemeinsam günstiger einkaufen, aber zum Beispiel auch durch Boykotte Firmen unter Druck setzen, die ihre Markenprodukte im Discounter verkaufen. Man ist einfach stärker, wenn man als Gruppe auftritt.
SABINE LÜTKE SCHWIENHORST
Werbung und PR SLS
1995 Gründung
seit 2001 Geschäftsführerin der Badwelt Münster GmbH & Co. KG
Kontakt:
Sabine Lütke Schwienhorst
Werbung + PR SLS
Piusallee 18
48145 Münster
Tel.: 0251/ 51700
Fax: 0251/ 45301
luetke(at)muenster.de
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