„Wachstum gelingt durch Kooperation“

Gabriele Reineke, Inhaberin von Reineke Marketing – Kommunikation und Mitglied im netz women, ist Patin von Sabine Burzler (2006), Heike Lange (2007) und Claudia Kaster (2009).

Frau Reineke, Ihrer Website ist der Satz vorangestellt „Geben Sie sich als Star zu erkennen, dann können Ihre Fans Sie auch finden.“ Müssen erfolgreiche Unternehmerinnen Stars sein und ihre Kunden Fans?
Ja!

Das klingt ein bisschen nach Showbusiness.
Ja! Ich will das gerne erklären. Ich glaube, dass es heute nicht mehr reicht, die Kunden zufrieden zu stellen, sie müssen begeistert sein.

Deshalb braucht ein Unternehmen eine ‚Persönlichkeit’, wie Sie es nennen?
Genau. Das ist das Spannendste überhaupt. So wie sich jeder Mensch durch bestimmte Dinge und Eigenschaften auszeichnet, so gibt es auch eine Unternehmens- bzw. Markenpersönlichkeit. In einer der  großen Agenturen, für die ich früher gearbeitet habe, wurde eine Markenpersönlichkeit  durch Physis, Charakter und Stil definiert.

Gilt das auch für eine Kleinunternehmerin, die keine Markenprodukte verkauft?
Das gilt auch und ganz besonders für sie. Kleinunternehmerinnen können es sich gar nicht leisten, ihre Markenpersönlichkeit zu vernachlässigen.

Aber vermarktet sie nicht in erster Linie sich selbst?
Ja und nein. Sie muss dem Unternehmen die Möglichkeit geben, eine eigene Persönlichkeit zu werden. Da fließen natürlich die Eigenschaften der Unternehmerin ein. Aber gefährlich wird es, wenn die Persönlichkeit des Unternehmens und die der Unternehmerin für deckungsgleich gehalten werden.

Warum ist das gefährlich?
Erstens in der Akquise. Eine Absage werden Sie immer als persönliche Ablehnung empfinden, während  Sie als Repräsentantin Ihres Unternehmens leichter verkaufen können. Zweitens braucht ein Unternehmen, wenn es expandiert, Mitarbeiterinnen, die sich mit dem Unternehmen identifizieren sollen, das können sie nicht mit einer Person. Und zum dritten tritt das Unternehmen ja nicht nur in  Person auf, sondern mit Flyern, einer Website… idealerweise atmen diese Materialien eine eigene Persönlichkeit.

Gerade Kleinunternehmerinnen sind davon überzeugt: ‚Mein Unternehmen bin ich’. Wie können sie der Persönlichkeit des eigenen Unternehmens näher kommen?
Schon der Gedanke: ‚Ich schaffe eine Unternehmenspersönlichkeit’ sorgt dafür, sich weniger zu verlieren. Wer erkennt, dass sich das Unternehmen und die eigene Person nicht 1:1 decken müssen, ist in der Regel sehr erleichtert.

Wie lässt sich das denn erkennen?
Wir entwickeln zum Beispiel ein Persönlichkeitsprofil für das Unternehmen in der dritten Person. Wir geben ihr ein Alter, eine Lieblingsfarbe, beseelen sie und fragen: Wie ist die eigentlich drauf? Das ist eine imaginäre Person.

Welcher Typ ist Ihr Unternehmen?
Gute Frage …

Auf der Website ist es pink.
Ja, es strahlt Kraft aus und Energie, will da sein, wenn es gebraucht wird. Es entwickelt gerne kreative Lösungen, ermuntert dazu den eigenen Visionen zu folgen und hat selbst welche.

Eine Unternehmenspersönlichkeit ist auch notwendig, damit Mitarbeiterinnen sich identifizieren können. Sie haben selbst keine Beschäftigten, sondern setzen auf Kooperation.
Unser Kernteam besteht aus vier Selbstständigen, die früher in großen Agenturen zusammengearbeitet und sich irgendwann selbstständig gemacht haben. Später trafen wir uns wieder und beschlossen, dass wir kooperieren könnten.

Warum haben Sie keine gemeinsame Firma gegründet?
Vor dieser Frage standen wir mehrmals und haben uns klar dagegen entschieden. Ich bin inzwischen davon überzeugt, dass in unserer schnelllebigen Zeit Wachstum nur durch Kooperation gelingt. Die Anforderungen an Flexibilität sind so hoch, dass ich mich nicht mehr für eine klassische Unternehmensform entscheiden kann. Die Netzwerkstruktur eröffnet mir mehr und größere Handlungsspielflächen.

Ist Personal immer überflüssig?
Nein, das hängt deutlich von der Branche ab. Hätte ich z. B. einen Büroservice, könnte ich diese Form nicht wählen, dann brauche ich Personal, um das Potenzial täglich auf gleichem Niveau vorhalten zu können.

Wie findet eine Unternehmerin die richtigen Kooperationspartnerinnen?
Sie muss das Wesen ihrer Firma kennen und wissen, was sie sich wünscht. Dann sollte sie sich die bestehenden Netzwerke anschauen und Kontakte knüpfen. Kooperationen müssen wachsen. Sie brauchen gegenseitiges Verstehen, Wertschätzung, Verlässlichkeit und vor allem eine Akzeptanz der Andersartigkeit. Das ist wie in jeder Beziehung.

Ohne Konkurrenz geht es aber auch nicht?
Konkurrenz gibt es immer. Und das ist nicht immer einfach. Man kann damit aber spielerisch umgehen. Wenn man gemeinsam aus dem gleichen Bereich dem Markt etwas anbietet, dann verdoppelt sich die Durchsetzungskraft.

Gabriele Reineke, REINEKE MARKETING-KOMMUNIKATION
1989 gegründet

Mitgliedschaften:
Kommunikationsverband, netz NRW - Verbund für Ökologie und soziales Wirtschaften e.V., netzwomen, netzconsult

Dienstleistungen/Produkte:
Beratung, Begleitung, Seminare und Workshops; Konzept, Ideen, kreative Umsetzungen für Markterschließung, Markterweiterung, CI-Entwicklung

Kontakt:
Gabriele Reineke
Marketing Kommunikation
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