„Für eine Inszenierung brauche ich nicht viel Geld“

Herr Böhm, was ist ein Augenfänger?
Ein Eye-Catcher. Aber mir gefällt der Trend zur übertriebenen Nutzung von Anglizismen nicht – und vielen meiner Kunden auch nicht. ‚Die Augenfänger’ sind eine ehemalige Event Marketing Agentur, die seit mittlerweile 13 Jahren mit dem Schwerpunkt strategische Marketingberatung arbeitet. Und das überwiegend für kleine und mittelständische Unternehmen in der Region, was mir als Lokalpatriot ganz gut gefällt.

Und Lokalpatriot zu sein hilft bei der Entwicklung von Strategien für Ihre Zielgruppe?
Vielleicht hat es etwas mit meiner Herkunft zu tun, dass ich bodenständig bin. In meinem Buch Local Marketing beschreibe ich das: Um die Zielgruppe zu verstehen und entsprechend agieren zu können, muss ich die Leute kennen. Und es hat durchaus Vorteile, wenn man hier aufgewachsen ist.

Könnten Sie in Bayern Marketingberatung machen?
Ja, ich denke schon. Es bedürfte allerdings erst einmal einer genauen Recherche vor Ort.

Ist Local Marketing dann so etwas wie Interkulturelles Marketing für die Regionen?
Es gibt natürlich Themen, bei denen ich mich an regionale Gegebenheiten halten muss. Aber das Pfund der kleinen und mittelständischen Betriebe vor Ort ist es vielmehr, dass sie die Themen, die die Leute bewegen, kennen. Wenn ich als Unternehmer darauf eingehe und das interpretiere, dann habe ich Vorteile gegenüber dem nationalen / internationalen Anbieter auf der grünen Wiese.

Zum Beispiel?
Ich kann die Promotion für eine regionale Brauerei mit lokalen Festivitäten verbinden. Oder im Ruhrgebiet Aktionen planen, die die Nähe zum Bergbau aufgreifen. Wir haben eine Aktion für ein Schuhhaus in Bochum gemacht, um auf die Rabattschlachten zu reagieren. Die Antwort war: Wir inszenieren Schuhe und haben die Leute eingeladen, Geschichten zu ihren Schuhen zu erzählen. Es geht immer darum, die Begebenheiten vor Ort zu integrieren. Und das können zeitliche oder auch örtliche Begebenheiten sein. Regionales Marketing ist zum Beispiel auch meine Mail-Grußzeile „aus dem Spargeldorf Scherlebeck im Vest“. Es geht immer darum, Themen die da sind, aufzugreifen.

Und dann brauche ich keine Angst mehr vor dem großen Konkurrenten auf der grünen Wiese zu haben?
Der kleine Händler vor Ort spricht eine ganz andere Zielgruppe an. Es gibt viele Kunden, die sich in den Centern nicht wohl fühlen und anders einkaufen wollen. Würden die Städte das richtig inszenieren, dann würden sie die Leute in die Städte ziehen. In den Niederlanden zum Beispiel wird die kleinste Boutique inszeniert. Das Geschäftsleben hat dort mit dem Privatleben zu tun und das spürt man, das macht das Einkaufen zu einem anderen, persönlichen Erlebnis.

Ist die Inszenierung nur eine Aufgabe der Einzelhändler oder auch der Städte?
Natürlich haben die Städte eine Verantwortung, wenn es darum geht, das Gefühl herzustellen, dass wir für uns und mit unserer Stadt etwas tun. Da fehlt mir oft das Herzblut. Aber die Einzelhändler müssen aktiver werden.

Und das kostet Geld.
Für eine Inszenierung brauche ich nicht viel Geld. Sie geht vom Ego-Marketing aus und das heißt: Es geht darum, sich als Unternehmer-Persönlichkeit einzubringen. Wenn ich außerdem Mitarbeiter habe, dann habe ich viele Persönlichkeiten, die sich einbringen können. Und wenn ich das integriere, habe ich keine austauschbaren Städte mehr. Denn wie ich meine Produkte inszeniere, präsentiere und mit Zusatzangeboten auflade, das hängt von den individuellen Persönlichkeiten ab.

Heißt Ego-Marketing dann „Weg vom Produkt, hin zur Person?“
Ja, das kann man so sagen. Jedes Kern-Produkt, das ich vertreibe, hat auch ein anderer Händler. Aber in einem kleinen Buchladen profitiere ich von dem schönen Ambiente oder der individuellen Buchempfehlung. Wir haben zurzeit einen Trend hin zu dem Ursprung des Kaufhausgedankens, wo wir verschiedene Produktgruppen unter einem Dach finden: Ich kann im Schuhladen auch Wein oder im Café Platten kaufen. Aber damit das Konzept funktioniert, muss die Atmosphäre stimmen und eine einheitliche Zielgruppe angesprochen werden.

Gilt das auch für Dienstleister?
Leute, die verschiedene Dienstleistungen anbieten und eine gemeinsame Plattform finden, bei der ihre Angebote wie Zahnräder ineinander greifen, haben einen unschätzbaren Vorteil. Sie erweitern die Kontaktfläche zum Kunden und sie erhöhen die Bindung. In einem Netzwerk habe ich für einen Kunden viele Anknüpfungspunkte und für jeden Partner viele neue potenzielle Kunden.

MICHAEL BÖHM, Die Augenfänger
www.augenfaenger.de<font color="#ffffff">
</font>1993 Gründung „Die Augenfänger“
Dozent für Marketing an der Privatakademie Schloss Haus Ruhr
Vorstandsvorsitzender der Wirtschaftsvereinigung Vest
Gründer und 1. Botschafter der Vestischen Botschaft
Herausgeber/ Chefredakteur ‚Unser Vest’ – Erstes regionales Unternehmermagazin

Buchveröffentlichungen:
Wie man mit schmalem Budget erfolgreich wirbt, Cornelsen Scriptor Verlag 2004
EGO-Marketing – Ihre persönliche Erfolgsstrategie, Cornelsen Scriptor Verlag 2005
Local Marketing, Cornelsen Scriptor Verlag 2006

Seminare, Vorträge, Workshops zu den Themen: Guerilla-Marketing, Low-Budget-Marketing, Local-Marketing, EGO-Marketing

Kontakt:
Michael Böhm
Die Augenfänger
Weizenkamp 14
45701 Herten-Scherlebeck
Tel. / Fax:   0700 28436323