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„Es ist nicht besonders wagemutig, keinen strategischen Plan zu haben“
Frau Beyrow, Unternehmerinnen, die schon lange im Geschäft sind, sagen im Rückblick häufig, dass sie betriebswirtschaftlich wenig Ahnung hatten oder lange nicht wussten, was Controlling überhaupt ist. Heute muss eine Gründerin all das drauf haben, bevor sie überhaupt anfängt.
Ich glaube, dass das auch gut ist. Es schadet ja nichts, sich mit Controlling zu beschäftigen.
Könnte der Anspruch an eine lückenlose Vorbereitung Gründerinnen auch überfordern?
Sie sollen ja nicht in allem perfekt sein, aber sie müssen eine Berechnung gemacht haben, ab wann es sich für sie lohnt zu arbeiten, wie viele Kunden sie haben müssen. Es ist gut, dass Gründerinnen, die aus der Arbeitslosigkeit gründen, eine wirtschaftliche Tragfähigkeit nachweisen. Von den Teilnehmern und Teilnehmerinnen in den Gründungszirkeln haben vielleicht 60 Prozent eine Idee, die wirtschaftlich tragfähig ist. Insofern ist es gut, vorher zu selektieren.
Früher fing man einfach an. Gehen so nicht auch gute Ideen verloren, die Freiheit, etwas einfach zu wagen, zu experimentieren?
Das können sie doch trotzdem! Es schadet nicht, mehr Informationen zu haben. Ich finde es nicht besonders wagemutig, keinen strategischen Plan zu haben und nicht zu wissen, wie viel Umsatz ich erwirtschaften muss.
Sie haben die B3-Beyrow Business Beratung 2001 gegründet. War es für eine Unternehmensberaterin vor 5 Jahren noch leichter, sich zu positionieren?
Ja, es war sicherlich etwas leichter. Dass immer mehr Beraterinnen und Berater auf den Markt drängen, hat sicherlich auch damit zu tun, dass die öffentliche Hand in den vergangenen Jahren viele Mitarbeiter freigesetzt hat, die dann vielfach in die Selbstständigkeit gegangen sind. Der Markt wird enger, dieser Trend wird sich fortsetzen. Beim Blick auf die große Zahl der Beraterinnen und Berater muss man allerdings auch sehen, dass viele ihre Tätigkeit nicht im Haupterwerb ausüben. Denn eine Gründung als Beraterin verlangt keine hohen Investitionskosten und ist relativ gut im Nebenerwerb zu realisieren.
Ist dieser Trend für Sie problematisch?
Nein, aber ich mache auch viele verschiedene Dinge. In den letzten Jahren haben sich viele auf die Gründungsberatung gestürzt…
… weil es hier eine starke Beratungsförderung gibt?
Ja, zu beraten und sich beraten zu lassen wurde attraktiver. Jeder, der aus der Arbeitslosigkeit gründet, kann ein ESF-gefördertes Coaching bekommen. Es wäre aus Sicht der Gründerinnen dumm, das nicht in Anspruch zu nehmen. Insofern profitieren beide Seiten.
Und trotzdem machen Sie die Gründungsberatung nicht zu Ihrem Schwerpunkt?
Weil es gar nicht gut ist, sich nur auf ein Standbein zu verlassen. Und weil ich sehe, dass diese Art der Gründungsförderung, die wir heute haben, nicht die Form der Zukunft sein wird. Es wird immer mehr Eigenverantwortung gefordert werden, auch in Bezug auf Investitionen in Beratung. Außerdem sind Beraterinnen grundsätzlich gut beraten, sich zu spezialisieren.
Eine Ihrer Spezialisierungen heißt Nachfolgeberatung und zwar im Rahmen des Projektes ELfFN in Emscher-Lippe. Ist Nachfolge ein Zukunftsmarkt für Beraterinnen?
Das ist ein Thema, das kommt und schon da ist. Viele wollen sich selbstständig machen; dass sie einen bestehenden kleinen Betrieb übernehmen könnten, haben sie dabei oft nicht im Blick. Dabei ist es häufig vielfach einfacher, einen eingeführten Betrieb zu übernehmen, mit dem ich vom ersten Tag an Umsatz erwirtschafte.
Was hindert die Gründerinnen die Nachfolgerinnen-Perspektive einzunehmen?
Nachfolge klingt nach großen Investitionen, davor schrecken viele Frauen zurück. Dabei müssen die Investitionen für Kleinstunternehmen nicht immer riesig groß sein. Darüber versuchen wir zu informieren und aufzuklären.
Zum einen schrecken sie die möglichen Investitionen, zum anderen hindert sie vielleicht auch die Vorstellung, mit einer Übernahme nicht wirklich etwas Eigenes zu haben?
Ja, das ist sicherlich so und auch ein Grund dafür, dass wir bereits in der Orientierungsphase über die Möglichkeit zur Nachfolge informieren. Denn wenn die eigene Idee erst einmal da ist und Formen annimmt, dann können sich viele nicht mehr vorstellen, dass es für sie ein bestehendes Unternehmen gäbe, in dem sie ihre Idee realisieren können.
Jutta Beyrow – B3-Beyrow Business Beratung
seit 1996 freiberuflich tätig als Unternehmensberaterin
2001 Gründung der B3-Beyrow Business Beratung
Tätigkeitsfelder
- Gründungs- , Wachstums- und Nachfolgeberatung
- Projektentwicklung (aktuell das 1. Unternehmerinnen Zentrum am Niederrhein)
- Weiterbildung und Qualifizierung
Projekte
aus der Initiative „Regionen Stärken Frauen“
- Emscher-Lippe-fördert-Frauen-Nachfolgen
- Führungskompetenz für Frauen
- in Kooperation mit der GfAH mbH (Gesellschaft für Arbeitsschutz und Humanisierungsforschung):
- Ausbildung Schwerhöriger und Gehörloser zu Fitnesstrainer/-innen
- Unternehmensnachfolge für Frauen (Projekt innerhalb des EQUAL-Projektverbundes „AWOPE“
Mitgliedschaften:
DMI e.V. – Deutsches Mikrolending Institut
ELGO! e.V.
IQU (Interessensgemeinschaft Qualifizierter Unternehmerinnen) Gelsenkirchen
LUZi e.V. (Lohberger Unternehmerinnen Zentrum, innovativ)
netz NRW – Verbund für Ökologie und soziales Wirtschaften e.V.
netzwomen
Kontakt:
B3-Beyrow Business Beratung
Emil-Zimmermann-Allee 24 45897 Gelsenkirchen
Tel.: 0209 1551667
Fax: 0209 1551664
Steigerstr. 13
46537 Dinslaken
Tel.:02064/443247
Fax:02064/970381
info(at)b3-beyrow.de
www.b3-beyrow.de

