Heike Ulrich - Architektur + Design
Ausgezeichnet: 07.2011
Patenschaft: Yann Tuttas-Sillamy
Branche: Bauen & Wohnen
An den Buchen 2
45470 Mülheim/Ruhr
Telefon: 02 08 - 38 14 28
Mail: H._Ulrich@web.de
Aus sterilen Kästen Wohlfühloasen machen
Rechteckige weiße Räume, durchgerasterte Gebäude, anonyme und austauschbare Gänge, in denen Orientierung schwer fällt und das Wohlfühlen sowieso. In Krankenhäusern, Altenheimen oder Rehazentren sind Menschen in Ausnahmesituationen. „Im sozialen Bereich müssen Räume anders sein“, sagt Heike Ulrich. „Sie haben eine wichtige Funktion für Wohlbefinden und Gesundheit.“ Die Architektin setzt genau hier an: „Mit Farbe und Licht lässt sich sogar aus einem sterilen Kasten eine Wohlfühloase machen.“
Die vorherrschende Architektur im Gesundheitsbereich erzeuge hochgradig Stress. Diese wissenschaftlich begründete Erkenntnis ist der Ausgangspunkt der Arbeit von Heike Ulrich. Sie verknüpft Forschungsergebnisse zur Wirkung von Räumen, Licht, Farbe und Natur mit ihrer Erfahrung als Architektin, Designerin und Farbgestalterin. Fünf Schlüsselelemente sind es, an denen sie sich bei ihren Gestaltungsentwürfen orientiert:
Räume schaffen Orientierung. „Man kann durch Licht und Farbe
Wege weisen und verhindern, dass Menschen orientierungslos durch das Gebäude
irren.“
Räume ermöglichen Privatsphäre und Ruhe. Das sind Einzelzimmer, aber auch
separate Bereiche, um sich mit der Familie oder Freunden zurückzuziehen.
Räume unterstützen Kommunikation. Um private und vertraute Gespräche mit
Angehörigen, Pflegekräften oder Ärzten zu ermöglichen, sollten sich diese durch
das gesamte Gebäude ziehen. Das betrifft zum Beispiel Anmeldebereiche oder
Übergabeplätze von Ärzten und Pflegekräften.
Räume ermöglichen soziale Unterstützung. „Wo Platz für Angehörige ist, bekommen
Pflegebedürftige und Kranke mehr Besuch und mehr Hilfen im Alltag.“
Und: Räume brauchen eine Verbindung zur Natur. „Das ist das Wichtigste“, sagt
Heike Ulrich. „Der Kontakt zur Natur erreicht, dass Menschen innerhalb
kürzester Zeit ruhig werden. Der Stressabbau ist in der Natur und beim
Betrachten der Natur oder Bildern der Natur nachweislich am stärksten.“
Heike Ulrich weiß: Man kann viele dieser Aspekte architektonisch lösen, indem Räume eine bestimmte Größe haben, ihre Ausrichtung und den Lichteinfall entsprechend plant. Man kann aber auch Licht, Farbe, Natur- Bilder und andere Sinneseindrücke so einsetzen, dass sie ihre positive Wirkung entfalten können. Dazu gehören z.B. das Wissen um Wellenlängenniveaus oder Lichtintensitäten, aber auch die Farbwahrnehmung alter Menschen. In der Verknüpfung von Architektur, Psychologie und Gesundheit sieht Heike Ulrich ihren Wettbewerbsvorteil. „Man muss sich auf diesem Gebiet wissenschaftlich auseinandersetzen und gerne fachübergreifend entwerfen, das ist den meisten Architekten zu kleinteilig.“
Heike Ulrich hat sich im Juli 2011 selbstständig gemacht. In der Gründerinnenwerkstatt der Mülheim Business GmbH hat sie ihren Plan entwickelt und die Freiberuflichkeit so aufgestellt, dass sie auch ihrer eigenen Gesundheit gut tut. Denn die Architektin, die bis 2009 zuletzt in der Leuchtenindustrie und der industriellen Serienproduktion gearbeitet hatte, war – auch an ihrer Arbeit – schwer krank geworden. „Ich wollte zurück zu meiner Leidenschaft, dem Design“, sagt sie über ihre Pläne. Angestellt zu arbeiten, das war keine attraktive Option mehr. Und so besann sich Heike Ulrich auf Erfahrungen, die sie als Projektleiterin eines Architekturbüros gemacht hatte. Dort hatte sie immer wieder mit Altenheimen und Hospizen zu tun gehabt und festgestellt: „Hier fehlt ganz grundsätzlich etwas in der Gestaltung.“
Mit ihrer Schwerpunktsetzung sieht sie sich in NRW, dem Land mit der höchsten Dichte an Gesundheitseinrichtungen, genau richtig. „Der Wettbewerbsdruck in der Branche steigt, die Einrichtungen wissen, dass sie da etwas tun müssen.“ Heike Ulrich kann Lösungen bieten, Wettbewerber mit einer entsprechenden Spezialisierung kennt sie keine.
Heike Ulrich weiß, wie es sich anfühlt, in weißen rechteckigen Räumen zu liegen. Auch diese Erfahrung nimmt sie für ihre Gründung mit. „Als ich auf der Intensivstation lag“, erzählt sie, „da konnte ich aus dem Fenster schauen und sah einen Baum. Dieser Baum hat mich gerettet.“



