Karin Schmitt - kar-bag
Ausgezeichnet: 12.2010
Branche: Handwerk & Handel
Marktstr. 26
45721 Haltern am See
Telefon: 0 23 64 - 9 65 21 31
Fax: 0 23 64 - 9 65 21 32
Mail: info(at)kar-bag.com
Web: http://www.kar-bag.com
Mit dem Airbag zum Einkaufen
Es gibt Taschen aus Filz, Taschen aus Segeltuch, Taschen aus LKW-Plane oder einfach solche aus Stoff. Karin Schmitt suchte für ihre Taschen-Ideen ein neues und außergewöhnliches Material. Seit 2009 produziert sie Taschen aus Airbag-Material - kar-bags.
Sobald das technische Gewebe der Qualitätskontrolle der Automobilzulieferer nicht genügt, wird es für die Unternehmerin aus Haltern am See interessant. Mit einigen hundert Metern recyceltem Polyamid 6.6 startete Karin Schmitt 2009 in die Selbstständigkeit. Der weiße Stoff, aus dem Airbags hergestellt werden, ist „leicht, waschbar, faltbar, hitzebeständig, laugen-, motten-, seewasser- und fäulnisfest. Und natürlich extrem reiß- und scheuerfest".
Wenn Karin Schmitt das Gewebe verarbeitet, geht es nicht mehr um Sicherheit im Straßenverkehr, sondern um robuste Taschen und Beutel. So entstehen Umhängetaschen, Beuteltaschen, Kultur- und Kosmetiktaschen in unterschiedlichen Formen und Größen, mit originellen Aufdrucken, Sicherheitsgurten als Trageriemen und modischen Details wie farbigen Reiß- und Klettverschlüssen, buntem Einfassband und Karabinern. Jedes Exemplar wird handgearbeitet und durch den individuellen Strichcode des Airbag-Gewebes einzigartig. Ein Designer-Einzelstück.
Vor ihrer Gründung hat Karin Schmitt 25 Jahre in international tätigen Unternehmen in verschieden Funktionen in der Bekleidungsindustrie gearbeitet, zuletzt als Einkaufsleiterin. Veränderungen in der Branche zwangen sie neu Wege zu gehen, gute Kontakte und Netzwerke aus dem beruflichen Umfeld halfen beim finden der Materialien. So entstand die Idee mit Recycling-Material zu arbeiten. Die technische Ausstattung hatte sie längst, sowie Gestaltungsideen. Sie entwickelte zuerst eine Tasche, dann ein Beutel und nun eine kleine Kollektion.
In Europa produzieren nur weinige Unternehmen Airbag-Material - und die warten nicht auf eine kleine Manufaktur. „Das eigentliche Problem ist, bei den großen Unternehmen an die richtigen Entscheidungsträger zu kommen", sagt Karin Schmitt. „Nur mit guten Kontakten ist es möglich, dass sie als kleine Kundin überhaupt beliefert werden." Über eine Freundin, die bei einem Automobilzulieferer arbeitet, kommt sie an das Airbag-Gewebe. Für die modischen Accessoires kann sie auf ihre Erfahrungen und Beziehungen aus dem Einkauf zurückgreifen.
Der Verkauf dahingegen ist für die Unternehmerin neues Terrain. Für ihre Taschen, „autoaffine Produkte", hatte sie zunächst die Autohäuser als Vertriebspartner im Blick. Mit mäßiger Resonanz. Erfolgreicher sind stattdessen Automessen, Oldtimer- und Youngtimertage, Events, bei denen sich Autoliebhaber treffen. „Diese Messen lohnen sich total." Ihre Kundinnen und Kunden hat sie im exklusiveren Umfeld ausgemacht, „in der Recycling-Nische". Menschen, die sich für Nachhaltigkeit und Ressourcenschonung interessieren.
Die Taschen aus dem ungewöhnlichen Material brauchen allerdings „eine Einstimmung", so die Designerin. Der reine Online-Handel sei deshalb schwierig, auch wenn ein Online-Shop längst zum Unternehmensauftritt dazugehört. „Das Material und seine Optik sind neu, die Menschen wollen die Produkte fühlen, bevor sie sie kaufen. Durch die Vergleichbarkeit und Eintönigkeit der Einkaufsstraßen unserer Städte möchte man neue Produkte am Markt finden. Karin Schmitts nächstes Ziel ist es, ihre Taschen im Facheinzelhandel zu präsentieren. „Ich bräuchte in jeder Stadt einen Trendsetter-Laden."



