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Meine Sicht auf die Welt
Beim G8-Gipfel in Heiligendamm hat sie 10.000 Fotos gemacht. Bei der Loveparade im Ruhrgebiet könnte sie diese Zahl locker überschreiten. Wenn Katja Illner fotografiert, dann tut sie das mit dem Anspruch, sehr genau zu sein. Sich einen Überblick zu verschaffen, ein Ereignis, einen Raum zu erfassen, zu vermessen. So entstehen ungewöhnliche Perspektiven, „meine Sicht auf die Welt“. Katja Illner ist Dokumentarfotografin, „fotodok.“ heißt ihr Unternehmen kurz und prägnant. Langzeitdokumentationen sind ihr Spezialgebiet, die fotografische Begleitung von zeitlich begrenzten Veranstaltungen.
Für ihre Diplomarbeit hat die Diplom-Designerin die Matisse-Ausstellung in Düsseldorf sechs Monate lang begleitet. In Heiligendamm war sie ein Jahr lang immer wieder vor Ort und dokumentiert die Veränderungen des Ortes, die Loveparade im Ruhrgebiet will sie auch in den nächsten Jahren kontinuierlich fotografieren. „Einen langen Atem“ braucht man für diese Art der Arbeit, sagt sie, „die Bereitschaft, sich nicht vom kurzfristig Spektakulären aufscheuchen zu lassen. Das ist fast wie eine wissenschaftliche Arbeit.“ Und eine, für die eine gute Logistik und eine gute Kondition gefragt sind. Denn bevor eine Fotografin vor Ort tätig werden darf, braucht sie häufig eine Vielzahl von Genehmigungen, erst recht bei politischen Ereignissen wie dem G8-Gipfel.
Sie schleppt eine Menge Ausrüstung mit sich herum und darf außerdem bei längeren Aufenthalten nicht vergessen, ihre Versorgung zu organisieren. „Wenn ich stundenlang auf der Loveparade fotografiere, ist das körperlich ziemlich anstrengend“, beschreibt Katja Illner ihre Arbeitssituation. Das Unterwegssein gehört zu ihrem Alltag dazu, das Büro auf der Essener Zeche Zollverein nutzt sie eher punktuell. Profitieren kann sie hier vom Netzwerk, den Kontakten zu künstlerisch arbeitenden Kollegen und natürlich von der renommierten Ruhrgebietsadresse.
Katja Illner wollte immer Fotografin werden, schon mit 16 stand ihr Berufswunsch fest. Die geborene Rheinländerin studierte dann an der Universität Essen Fotografie und machte hier 2006 ihr Design-Diplom, sie verbrachte ein Semester an der Högskolan för Fotografi in Göteborg und absolvierte von 2006 bis 2008 einen Aufbaustudiengang an der Hochschule für bildende Künste in Hamburg.
Als freie Fotografin arbeitet sie wie viele Künstler und Künstlerinnen mit einer Mischkalkulation. Stipendien für künstlerische Projekte oder Sponsoren ermöglichen den Start in ein Thema, die Ergebnisse dann in unterschiedlichen Magazinen, Zeitungen oder Büchern, zu vermarkten, ist der zweite Schritt des Geschäfts. Neben den freien Dokumentationsprojekten gibt es für die Fotografin auch das ganz normale Tagesgeschäft – Veranstaltungen, Baudokumentationen, Porträts, Hochzeiten. „Solange ich in meiner Bildsprache bleiben kann, sehe ich da keinen Unterschied“, sagt Katja Illner. Dann sind die Hochzeitsfotos zum Beispiel nicht romantisch-verklärend, sondern dokumentieren das Geschehen mit etwas Abstand.
„Ich habe mein Profil klar definiert“, sagt die Fotografin. „Ich biete ein Nischenprodukt an, das nicht für die breite Masse bestimmt ist, sondern einen sehr gezielten Kundenkreis erreicht.“ Wer sie beauftragt, weiß, was er bekommt. Begleiten würde sie in Zukunft gerne mal ein Sportereignis, am liebsten die WM 2010 in Südafrika. Wie ein Sportfoto in ihrer Bildsprache wäre? „Auf keinen Fall ein Fußballer beim Fallrückzieher und dahinter grüner Rasen. Auf meinem Bild wäre auf alle Fälle das Stadion zu sehen, die Zuschauer auf der Tribüne und ein Teil der Mannschaft, der dem Fallrückzieher zusieht. Das wirkt dann natürlich alles etwas unspektakulärer, fast wie im richtigen Leben.“
Kontakt:
Katja Illner
fotodok.
Zeche Zollverein, Schacht 4/5/11
Katernberger Straße 107
45327 Essen
Tel.: 0177/ 244 37 45
info(at)fotodok.de
www.fotodok.de

