„Ich wollte immer mehr sein als eine Sporttherapeutin“

SABINE FRÖHLICH – Mrs. Sporty

„Fitness ist nicht gleich Fitnessstudio“, sagt Sabine Fröhlich. „Aber ich habe keine anderen Begriffe.“ Also vermarktet sie Mrs. Sporty in Herten als Fitnessstudio. Weil sie weiß, dass sich das andere Konzept ihres Studios schnell herumspricht. Denn Mrs. Sporty ist anders. Keine Mukki-Bude mit allen dazugehörigen Klischees. Sondern ein Angebot mit einem klaren Ziel: „Etwas für Frauen entwickeln, das einfach und bedarfsgerecht ist.“

„Frauen wollen effektiv trainieren und erfolgreich sein, sie haben wenig Zeit und suchen etwas, das sie problemlos in den Alltag integrieren können“, so lautete ein Ergebnis einer Umfrage, die erklären sollte, weshalb die großen Studios, in denen Sabine Fröhlich arbeitete, eine so hohe Fluktuation haben, „auch wenn Ausstattung, Service, Dienstleistung, Einstellung und Handling doch eigentlich stimmten“. 15 Jahre Erfahrung im Fitness-Bereich bringt die 35-Jährige mit, als Sportmanagerin und Trainerin war sie sie in den vergangenen Jahren in Deutschland und den USA beschäftigt. „Bei den BMWs und Porsches der Branche.“ Sie war Managerin bei Elixia und 24 Hours Fitness und hatte eine leitende Position bei Karstadt Sport.

Bei der Suche nach Lösungen, mit denen dem Problem der Fluktuation begegnet werden könne und angesichts der Tatsache, dass nur 5,4 Prozent der Bevölkerung ein Fitness-Studio aufsuchen, wenngleich 60 Prozent angeben, Fitness betreiben zu wollen, kam Sabine Fröhlich die Mrs. Sporty-Idee quasi entgegen. Ein ehemaliger Chef stellte ihr die Geschäftsidee aus den USA vor. Gemeinsam entwickelten sie die Marke, die sie bundesweit im Franchising vermarkten wollen, „um den deutschen Fitness-Markt anders auszureizen“. „Ich habe dem Konzept meinen operativen Fingerabdruck gegeben“, sagt Sabine Fröhlich, die von den intensiven Trainingsmöglichkeiten begeistert ist. „Das ist eine Sensation.“

Das Mrs. Sporty-Konzept ist denkbar einfach. Die Trainings sind auf kurze Zeitspannen reduziert, so dass eine Einheit nur eine halbe Stunde dauert. Trainiert wird in einem Parcours mit 16 Stationen, an 8 Kraftgeräten und 8 Ausdauergeräten. Die speziell angefertigten Geräte aus den USA ermöglichen ein so genanntes antagonistisches Training. Das heißt, sie beanspruchen immer zwei gegenüberliegende Muskelgruppen, was ein effektiveres Training ermöglicht – und eine Zeitersparnis.

Dass das ganze auf nur 80 Quadratmetern realisierbar ist, dass es keine Duschen gibt, „weil laut Umfrage nur 15 Prozent aller Frauen die Gemeinschaftsduschen in den Fitness-Studios benutzen“, ist ebenso Teil des Konzeptes wie die Ansprache der weiblichen Zielgruppe ab 50. „Für diese geht es wirklich um den Sport, sie haben an Single-Treffs beim Fitness weniger Interesse.“ Dass die Altersspanne der Mitglieder tatsächlich größer ist, spricht für die Idee und bestätigt, dass die  Schwellenängste bei Mrs. Sporty offenbar geringer sind als woanders. „99 Prozent aller Probetrainings führen zur Mitgliedschaft.“

Offiziell ist Sabine Fröhlich Franchise-Nehmerin, wird in Zukunft aber Interessentinnen in die Selbstständigkeit begleiten. Dass ihr dabei die Auszeichnung durch den Unternehmerinnenbrief NRW nützen kann, davon ist sie überzeugt. Sie selbst hatte die Finanzierung bei der Präsentation zwar schon abgeschlossen, ist aber sicher, dass sie die Referenz einsetzen kann, um Kreditgeber bei der Eröffnung weiterer Studios von der Tragfähigkeit der Idee zu überzeugen. Bereits vor der offiziellen Eröffnung hatte die Gründerin 75 Mitglieder für ihr Studio akquiriert, nach einem halben Jahr liegt sie bereits 300 Prozent über Budget. 250 Mitglieder zählt der Club in Herten zurzeit, bei 350 ist das Limit erreicht, dann wird einfach ein weiteres Mrs. Sporty dazukommen.

Zwei weitere Studios im Ruhrgebiet sind bereits geplant, die Standortentscheidungen noch nicht endgültig abgeschlossen. Der Investitionsbedarf für ein Mrs. Sporty-Studio ist mit 30.000 Euro überschaubar, auch das ist ein Argument, mit dem Sabine Fröhlich um Franchise-Nehmerinnen wirbt- Sie selbst will vier oder fünf Läden haben. Dass ihr erster in Herten eröffnet wurde, ist eigentlich Zufall, da das 80 Quadratmeter große Ladenlokal zur richtigen Zeit frei war. Aber als „Hertener Kind“ hat Sabine Fröhlich eine überaus große Unterstützung erlebt und würde jeder ihrer Franchise-Nehmerinnen empfehlen zuerst im Heimatort zu beginnen.

„Ich wollte immer mehr sein als eine Sporttherapeutin“, sagt Sabine Fröhlich. Dass ihre Eltern 13 Rewe-Läden hatten, machte die 35-Jährige schon früh mit der Selbstständigkeit, ihren Herausforderungen und den Vorteilen vertraut. „Ich bin in meinem Gestaltungsspielraum viel freier als ich das privat oder beruflich als Angestellte jemals sein könnte.“

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