Gut sein, wenn’s drauf ankommt

ANKE LINDAU, Gehirn-Training

"Warum sind manche Menschen kreativer als andere", fragte sich Anke Lindau. Wie kommt es, dass manche auf den Punkt genau leistungsfähig sind? Und warum trauen sich einige viel zu und andere zaudern ob ihrer Fähigkeiten? Eine Antwort auf diese Fragen fand die Wirtschaftswissenschaftlerin in der Gehirn-Forschung. In der Arbeit mit Schülern, Studierenden, Berufstätigen oder Menschen in der Rehabilitation nach einer Krankheit vermittelt Anke Lindau Techniken, um das Gehirn seine Potenziale nutzen zu lassen. Sie bietet Workshops, Vorträge und Einzeltrainings rund um die mentale Leistungsfähigkeit.

„Gedächtnis ist nur ein ganz kleiner Teil dessen, was unser Gehirn leistet“, sagt Anke Lindau. Seit es medizinisch möglich sei, „dem Gehirn beim Arbeiten zuzusehen“, könnten dessen Potenziale noch detaillierter erfasst werden. Das Gehirn ist für Entscheidungen zuständig, für Motivation, Selbstbewusstsein und sogar für das Immunsystem. „Gut sein, wenn’s drauf ankommt.“ Dass sich das trainieren lässt, sieht Anke Lindau im Leistungssport. Sie war selbst Leistungssportlerin, arbeitet heute als Trainerin und beobachtet fasziniert, wie körperliches und mentales Training ineinander greifen.

„Das fitte Gehirn trifft im Leben die besseren Entscheidungen“, ist Anke Lindau überzeugt. Es gehe im Gehirntraining nicht in erster Linie um eine vordergründige Leistungsorientierung, sondern um Wahrnehmung, Motivation und Selbstvertrauen. „Ich möchte Menschen das Gefühl nehmen, sie seien zu blöd für etwas“, beschreibt sie ihre Philosophie. „Es ist immer eine Frage der Technik.“ Mit Denksportaufgaben, Merktechniken und anderen individuell abgestimmten Methoden holt die Gehirn-Trainerin das komprimiert nach, was Menschen im Alltag versäumen. Und das ist nicht nur die körperliche Bewegung, die das Gehirn stimuliert.

„Wir tun im Alltag wenig, um Selbstwertgefühl aufzubauen“, so ihre Beobachtung, „stattdessen arbeiten viele Menschen in Bereichen, in denen sie wenig Erfolge sehen.“ Erfahrungen, die sich unmittelbar auf die Leistung des Gehirns auswirken. Dabei sei es möglich, das Denken zu verändern, die Wahrnehmung seiner selbst positiver zu gestalten – eine Aufgabe für das Gehirn. „Wahrnehmung ist eine Bewertung der Realität.“ Hirnleistung heißt mit den Worten von Anke Lindau dann: „Unser Gehirn arbeitet günstiger für uns.“ Dass zudem der Intelligenzquotient messbar steigt, sei ein angenehmer Nebeneffekt, aber nicht das vordergründige Ziel des Gehirntrainings.

Dass sich die Wirtschaftswissenschaftlerin mit dem Gehirn-Training heute auf der Schnittstelle von Medizin und Psychologie bewegt, hat auch mit privaten Lebenswegen zu tun. Anke Lindau wollte nach einer langen Familienphase mit zwei Kindern nicht wieder einen Beruf ergreifen, „der nicht mein Ding ist“. Als Wirtschaftswissenschaftlerin hatte sie kurzzeitig im Handel gearbeitet, bis die Kinder kamen. Selbstverständlich in den alten Beruf zurückzugehen, war ohnehin nicht möglich, also besann sie sich auf ihre eigentlichen Interessen. Die Psychologie hatte sie schon im Studium gereizt; als sie die Hirnforschung entdeckte, ihre Faszination für die neurophysiologischen Grundlagen und die Effekte des Trainings in der Praxis erkannte, wuchs die Idee von der Freiberuflichkeit.

Anke Lindau absolvierte eine Ausbildung zur Gehirn-Trainerin, die sie mit einem Zertifikat abschloss. Sie versteht ihre Aufgabe darin, die Erkenntnisse der Hirnforschung als Praktikerin umzusetzen. Heute kooperiert sie mit Bildungsträgern und Schulen und hat eigene Praxisräume, in denen Einzeltrainings stattfinden können.
Die Bewerbung um den Unternehmerinnenbrief hat sie genutzt, um ihre Freiberuflichkeit, die „einfach gewachsen“ war, noch einmal unternehmerisch zu überprüfen. „Die Experten haben mir bestätigt, dass das kein Hirngespinst ist.“

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