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„Ein großes Gefühl“
Ist eine Hebamme eine Unternehmerin? Ja, natürlich, sagt Nele Willenborg. „Aber das habe ich auch erst in der Vorbereitung auf die Selbstständigkeit gespürt und an mir eine Seite entdeckt, von der ich dachte, dass es sie gar nicht gibt.“ Ein sozialer Beruf war immer ihre Perspektive, gezielt hatte sie schon die schulische Ausbildung mit dem Fachabitur im Sozial- und Gesundheitswesen darauf abgestimmt. Und sie suchte eine Tätigkeit, bei der sie selbstständig würde arbeiten können. Am 1. April 2006 war es so weit, seitdem ist Nele Willenborg als Hebamme in Bottrop freiberuflich tätig - für die junge Frau „ein großes Gefühl“.
Als Hebamme bietet Nele Willenborg Frauen vor allem die Begleitung vor, während und nach der Geburt an. Dass Vor- und Nachsorge nicht ausschließlich ärztliche Leistungen sein müssen und eine Frau sich von „ihrer“ Beleghebamme ins örtliche Krankenhaus zur Geburt begleiten lassen kann, das ist vielen werdenden Müttern nicht bekannt. Nele Willenborg sieht hier einen großen Aufklärungsbedarf. Denn die Vorteile eines engen Kontaktes zur Hebamme schon während der Schwangerschaft liegen ihrer Meinung nach auf der Hand. „Ich komme zu den Frauen nach Hause, ich bin direkt persönlich oder telefonisch ansprechbar, wenn es eine Frage oder ein Problem gibt.“ Viele Frauen schätzen es, in ihrer häuslichen Umgebung bleiben zu können und eine persönliche Ansprechpartnerin zu haben. Und die Geburt erleben sie dann mit einer schon vertrauten Person. Für Gynäkologinnen und Gynäkologen könnte die Zusammenarbeit mit einer Hebamme ebenfalls von Vorteil sein, glaubt Nele Willenborg. „Wenn ich mit einer Frauenärztin zusammen die Vorsorge anbiete, dann kann die Ärztin langfristig profitieren, denn eine gute Zusammenarbeit mit einer Hebamme wertet auch ihre Begleitung der schwangeren Frauen und der jungen Mütter auf.“
Über Flyer in Arztpraxen, Präsenz im Gesundheitsamt, Kooperationen mit einer krankengymnastischen-Praxis und der Hebammenpraxis vor Ort will Nele Willenborg ihr Angebot publik machen. Gerade die Hebammenkolleginnen haben die junge Gründerin unterstützt und zum Schritt in die Selbstständigkeit ermutigt. „Wir verfolgen gemeinsam das Ziel, unsere Angebote populärer zu machen und über unser Leistungsspektrum aufzuklären.“ Eine gegenseitige Vertretung ist längst vereinbart. „Der Markt ist da“, sagt Nele Willenborg. Auch wenn die Frauen laut Statistik weniger Kinder bekommen, die Veränderungen in den Krankenhäusern bieten gerade den freiberuflich arbeitenden Hebammen neue Perspektiven. Viele kleine Häuser schließen oder reduzieren die geburtshilflichen Abteilungen, immer weniger Hebammen werden eingestellt, so dass Verträge mit Freiberuflerinnen zunehmen.
Nele Willenborg hat zur Vorbereitung auf die Arbeit als Beleghebamme am Bottroper Marienhospital eine Trainingsmaßnahme absolviert und dann mit dem Krankenhaus einen Vertrag geschlossen. „Als Berufsanfängerin ist das nicht einfach“, sagt sie, „aber die Häuser sehen auch, dass sie durch uns große Vorteile haben.“ Zudem fühlt sich Nele Willenborg fachlich fit und durch die Ausbildung gut auf eine selbstständige Tätigkeit vorbereitet. Hausgeburten gehören nicht zu ihrem Angebot, die Nachfrage sei aber auch nicht sehr groß. „Viele Frauen ziehen den sicheren medizinischen Rahmen, den das Krankenhaus ihnen bietet, vor.“
Neben der Vor- und Nachsorge und der Begleitung bei der Geburt entwickelt Nele Willenborg ihr Kursangebot. Geburtsvorbereitung und Rückbildungsgymnastik hat sie bereits im Programm. Zurzeit absolviert sie eine Weiterbildung in Akupunktur und kann sich auch vorstellen, Wassergymnastik in der Schwangerschaft oder Babymassage anzubieten. „Es gibt unglaublich viele Möglichkeiten für Hebammen.“ Die Investition in Weiterbildung wird in Zukunft ein fester Posten im Unternehmensplan sein. Nele Willenborg hat keine eigenen Praxisräume. Die Kurse bietet sie in Kooperation mit einer physiotherapeutischen Praxis an oder bucht Räume im Haus des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes. „Eine Anlaufstelle zu haben wäre schön“, sagt sie. Noch ist das Zukunftsmusik. Zurzeit geht viel Energie in die Öffentlichkeitsarbeit, die Auszeichnung mit dem Unternehmerinnenbrief NRW hat daran keinen geringen Anteil. Und während Nele Willenborg neue Ideen entwickelt und sich vorstellt, wie es wäre, eine Get-together-Party mit jungen Müttern und schwangeren Frauen zu machen, freut sie sich über die gute Resonanz auf ihren Unternehmensstart. Die ersten Anmeldungen zur Geburt lagen schon vor der Gründung vor.
Kontakt:
Nele Willenborg
Hebamme
Plankenschemm 2
46242 Bottrop
Tel.: 02041 987568
n.willenborg(at)web.de
www.hebamme-nele.de

